Oh nein, ich bin durch – was tu ich jetzt? Das plötzliche Ende einer Serien-DVD hat mich lange nicht mehr so unbefriedigt zurückgelassen. Die Rede ist von der völlig unterschätzten 90er Coming-of-Age-Serie “My so called life”, in unseren Gefilden bekannt unter dem Namen “Willkommen im Leben”. Einige werden sich an die Pubertätsdramen erinnern, die zum Sprungbrett für Claire Danes und Jared Leto geworden sind. Was haben sich die Verantwortlichen gedacht – nur 19 Folgen Lebenszeit wurden dieser Serie zugestanden. Traurig eigentlich.
Abgesehen davon, dass ich nach dem zügigen Durchmarsch durch die gesamte DVD-Box einen gewissen Gewöhnungseffekt an die Ästhetik der 90er bei mir feststellen konnte (sehne mich plötzlich nach Flanellhemden, Henna und lustigen Hosen), hat sich mir noch eine ganz andere, essentielle Frage aufgedrängt: Warum würden viele Frauen, zumindest in der Theorie, einen unnahbaren Jordan Catalano immer einem vernünftigen Brian Krakow vorziehen?
Eine mögliche Antwort: Diese Catalanos bieten eine riesige Projektionsfläche. Soll heißen, wenn der nichts von sich preisgibt, könnte der all das sein, was wünschenswert ist. Quasi eine leere Hülle, die sich leicht auf einen Sockel hieven lässt. So ein Catalano bedeutet aber doch viel Arbeit und Ärger. Arbeit zahlt sich aus, heißt es immer – aber auch das gilt lediglich in der Theorie. Deshalb ist es in der Praxis auch ganz anders gelagert. Da gehen die Krakows dieser Welt als Gewinner vom Platz. Während man beim 15-jährigen Klassentreffen feststellen könnte, dass sich ein Krakow weiterentwickelt hat, würde ein Catalano wohl immer noch lässig menschenscheu in einer Ecke lehnen und das Maul nicht aufbekommen. Dabei wäre er natürlich immer noch “way too gorgeous”.

wu ndervoll
gott freu ich mich auf das klassentreffen!